aus Kradblatt 6/15
Text, Fotos & Filtermodell: Jogi / penta-media.de

 

Wie ist eigentlich eine Ölfilterpatrone aufgebaut?
Aus der Praxis des Dr. Jogi …

Offener OelfilterJeder von uns hat ihn schon einmal an seinem Motorrad entdeckt, aber die wenigsten haben ihn geöffnet um zu sehen, was sich in seinem Inneren befindet. Diese Sauerei muss man sich ja auch nicht antun.

Wir haben uns der Sache deshalb für euch angenommen und eine neue Filterpatrone im Labor aufgetrennt. Wir haben festgestellt, dass sich mehr Technik in einer Filterpatrone befindet, als man zunächst vermuten könnte.
Der Ölfilter, logisch, filtert und reinigt das Motoröl von Verbrennungsrückständen, Abrasionsteilchen und auf den ersten Kilometern auch von verbliebenen Fertigungsspänen.

Dr Jogi am DremelDie meisten Motorräder sind mit Einweg-Filterpatronen ausgerüstet, die als Hauptstrom-Filter direkt hinter der Ölpumpe von außen am Motorblock sitzen. Die Verweildauer des Filters entspricht in der Regel einem Ölwechsel-Intervall. Um sie zu demontieren gibt es spezielle glockenförmige Lösewerkzeuge, die an eine Knarre angesetzt werden können, sowie auch universell passende Löseriemen. Zum Anschrauben ist kein Werkzeug nötig. Das geht gefühlvoll mit der Hand.

Das Gewinde befindet sich zentral an der Unterseite des Filters und ist gleichzeitig die Ausström-Öffnung, aus der das gefilterte Öl durch ein Rohr mit Außengewinde zurück in den Motor fließt. Zuvor muss es jedoch erst einmal durch die kleineren weiter zum Rand liegenden Löcher in das Filtergehäuse einströmen. Dabei drückt das Öl eine feine Gummi-Membran nach innen auf. Diese dient als Ventil zur Verhinderung des Rückflusses. Danach passiert das Öl feinstes Filtervlies, das ähnlich wie ein Luftfilter gefalzt ist, um so eine größtmögliche Oberfläche zu erhalten. Die Fließrichtung verläuft von außen nach innen. Es folgt der innere Stützmantel aus gelochtem Blech. Er wirkt als Sieb, gibt dem eigentlichen Filter in der Patrone Stabilität und soll verhindern, dass sich ggf. gelöstes Filtervlies in den Motor schummeln kann. Das Motoröl verlässt durch die anfangs erwähnte, zentrale Gewindeöffnung die Filterpatrone und fließt gereinigt zurück in den Motor.

Filtervlies unter dem Elektro MikroskopSollte der Filter sich wider Erwarten mit Verschmutzungen zugesetzt haben, ist der Kreislauf gehemmt. Die Schmierung und Ölkühlung des Motors geraten so in Gefahr nicht mehr ausreichend zu funktionieren. Im Filtergehäuse steigt in Folge der Öldruck. Dieser öffnet das Nebenfluss-Ventil, um den Infarkt zu verhindern. Das Öl fließt nun an der Außenwand des Gehäuses entlang und sucht sich seinen Weg ungefiltert durch das am Kopfende des inneren Stützmantels liegende Nebenflussventil, durch den Stützmantel und zurück in den Motor. Die Idee ist, lieber die Schmierung und Kühlung mit ungefiltertem Öl aufrecht zu halten, als eine Unterbrechung des Ölkreislaufes zu riskieren.

Feinstes FiltervliesEin Marken-Ölfilter für euer Motorrad kostet im Schnitt gerade einmal 10 bis 15 Euro; mehr nicht – dabei leistet er so viel! Der mit einer Trennscheibe im Labor zerschnittene Filter war übrigens für diverse Suzuki Modelle gedacht.

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